Orisha-Begegnung

Vortrag mit Kurzworkshop

 

Orisha-Begegnung Kuba–Brasilien: Santería trifft Candomblé

Ein Dialog durch rituelle Lieder und Lobgesang für die Götter

 

Seit Jahrhunderten haben sich die Naturreligionen Santería in Kuba und Candomblé in Brasilien unabhängig voneinander entwickelt, obwohl beide auf das kulturelle und religiöse Erbe Westafrikas zurückgehen. Joaquín La Habana Reyes und Murah Soares teilen dieses Erbe in ihrer jeweiligen Kultur als Priester und Künstler.
Zum ersten Mal in Berlin treten die beiden Richtungen und Kulturen in Dialog. In einer Reihe von Vorträgen und Workshops lernen die Teilnehmer Gesänge und Tänze für die Orishas aus beiden Kulturen. Die Kenntnis der liturgischen Lieder ist die Grundlage für das Erlernen der dazugehörigen Tänze.
In einem ersten Workshop beginnen Joaquín La Habana Reyes und Murah Soares diesen Austausch durch Orisha-Gesänge, gesungene Lobpreisungen für die Götter. In der Liturgie hört man oft die gleichen Melodien mit anderem Text, die die gleichen Orishas preisen. Wieder andere Gesänge sind sehr unterschiedlich. Bei diesem Workshop lernen die Teilnehmer/innen die rituellen Lieder der wichtigsten Orishas aus Santería und Candomblé kennen:

         Exú – Elegguá
Ogum – Ogún
  Oxóssi – Ochósi
          Omolú – Babalu Ayé
    Oxúm – Oshún
      Xangó – Changó
   Yemanjá – Llemayá
        Oxalá – Obatalá
Yansa – Oyá
   Ossaín – Osain
Orúnmila – Orula
          Orixa Oko – Oricha Oko
     Odùduá – Oddúa
       Iroko


Vortrag und Workshop am Freitag, den 26. September 2008

 19:30 Uhr, Eintritt 5 €



Joaquín La Habana Reyes


ist Hohepriester der Santería und seit 23 Jahren Oshun geweiht. Er stammt aus einer religiösen Familie - auch seine Mutter, Groß- und Urgroßmutter, die vom nigerianischen Stamm der Yoruba abstammen, waren bekannte Priesterinnen und Musikerinnen. In Westafrika hielt er gemeinsam mit der nigerianischen Maskentanz-Gruppe „Ojiji Aparo“ Seminare über Trance, religiöse Kult-Tänze und die Musik der Santería. Er arbeitete zusammen mit der Gruppe „Igba Ile Ashe“, dem Verein „Raices e.V.“, einem Kulturverein der in Berlin lebenden Kubaner, sowie mit dem kubanischen Sozial- und Kulurzentrum „El Caiman e.V.“. Zudem war er Kulturattaché der Freundschaftsgesellschaft Berlin–Kuba. Als Lehrer hat er unter anderem an der Hochschule der Künste und der Tanzschule Etage unterrichtet.
Joaquín La Habana Reyes ist Sänger, Tänzer, Entertainer, Choreograph und Kostümbildner. Er wurde in Havanna/Kuba geboren und studierte Tanz und Theater in Boston/USA. 1970 begann dort seine künstlerische Karriere. Er wirkte in zahlreichen Revues, Musicals und Filmen mit. Gleichzeitig leitete er dort eine Tanzschule und hatte ein eigenes Tanz-Ensemble „Unique Dancers“. Zusammen mit Elena García gründete er das afro-kubanische Tanztheater „Iroko“ in Miami, mit dem er Auftritte und Workshops in den USA und Lateinamerika abhielt. In Kuba wurde er in den 1980er Jahren an der Nationalen Kunstschule (ENA), dem „Conjunto Folklorico Nacional“ und dem „Cuba Danza“ in zeitgenössischer und traditioneller Folklore weitergebildet.
1981 kam La Habana nach Berlin. Er wurde bekannt durch seine Ein-Mann-Shows, die er selbst geschrieben hat. Er bekam verschiedene Engagements beim Theater, Musical und der Oper in Deutschland und Österreich und wirkte auch hier in mehreren Fernseh- und Kinofilmen mit. Das umfangreiche kulturelle Erbe Kubas verarbeitete er in mehreren Theaterstücken und Konzerten wie der „Kubanischen Rhapsodie“, die unter anderem in der Werkstatt der Kulturen und im Haus der Kulturen der Welt aufgeführt wurden.

 

Murah Soares


ist Tänzer, Choreograf und Kulturmanager und wuchs im Candomblé- Tempel seiner Großmutter in Salvador da Bahia auf. Dort wurde er von Pai Badu aus der Tradition des Alaketu über inzwischen 28 Jahre zum obersten Priester im Candomblé (Pai de Santo / Babalorixá) geweiht. Er ist Begründer des Ile Oba Sileke in Berlin – dem ersten Candomblé in Deutschland, der im Sommer 2008 von der hochrangigen Candomblé-Priesterin und renommierten brasilianischen Menschenrechtlerin Mãe Beata aus Rio de Janeiro als direkte Repräsentanz ihres Tempels in Deutschland geweiht wurde.
Der Ile Oba Sileke wird im Wesentlichen getragen von Babalorixá Murah Soares und den filhos de santo - den Mitgliedern der Candomblé-Gemeinde -, die sich wöchentlich im Ile Oba Sileke treffen und ihre Religion dort durch Gebet, Rituale und Retreats pflegen. Daneben gibt es in meist monatlichen Abständen größere Veranstaltungen zu Ehren der Orixás (Gottheiten), die für alle Interessierten offen sind. Auf diesen Veranstaltungen werden durch spezielle Rhythmen und Tänze die Orixás angerufen, speziell dafür initiierte Mitglieder des Ile Oba Sileke begeben sich in Trance und stellen somit die Verbindung zwischen den Welten her – eine überaus kraftvolle Zeremonie, die auf alle Anwesenden wirken kann.
Auch für Nicht-Initiierte stehen diese Veranstaltungen nach Anmeldung offen, ebenso wie die Möglichkeit des Orakellesens und anderer Zeremonien und Beratungen.
Zusätzlich unterrichtet Murah Soares in seinen regelmäßig stattfindenden Workshops Kraft der Götter die verschiedenen rituellen Tänze und Gesänge für die Anrufung der einzelnen Orixás.